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Meditation Die Meditation dient, wie im Kapitel über den buddhistischen Befreiungsweg bereits gesagt wurde, der Schulung unseres Geistes und Herzens. Wir gewinnen Einsichten in uns selbst, über das Leben und entwickeln geistige Fähigkeiten, mit deren Hilfe wir unsere Einsichten und guten Absichten umsetzen können. Es gibt verschiedenste Methoden der Meditation. Ich möchte hier die Vipassana-Meditation vorstellen und die Brahmavihara, zu denen die Metta-Meditation gehört. Vipassana-Meditation Im Mittelpunkt der Vipassana-Meditation steht die Entwicklung von Achtsamkeit, bzw. reinem Gewahrsein. Das Pali-Wort "Vipassana" bedeutet "klares Sehen", Einsicht, Erkenntnis. Durch Erkenntnis wollen wir die Ursachen unserer Unerfülltheit, Unzufriedenheit, unseres Leidens verstehen und auflösen. Die Ursachen unserer Ängste, Sorgen, Enttäuschungen und Unzufriedenheit lassen sich auf mehreren Ebenen finden. Da gibt es zunächst die ganz persönliche Ebene, unsere Verhaltens- und Denkmuster. Wenn wir uns zum Beispiel schnell verurteilen oder andere immer für unser Leid beschuldigen, werden unsere Beziehungen mühselig und leidvoll sein. Wenn wir hingegen nachsichtig, mitfühlend und hilfsbereit uns selbst wie anderen gegenüber sind, erleben wir viel mehr inneren Frieden. Haben wir persönliche leidhafte Muster erkannt, können wir uns bemühen, sie nicht länger zu bejahen und auszuleben und stattdessen ihre Gegenkräfte wie Metta kultivieren. Dann gibt es die Ebene unserer instinktiven Reaktionen auf das, was wir erfahren. Wir erleben Angenehmes und wollen es behalten. Wir erleben und Unangenehmes und überlegen, wie wir es loswerden. Die Reaktion setzt meist blitzschnell ein und führt zu Verspannungen, Unzufriedenheit, Getriebensein. Stattdessen üben wir in der Vipassana-Meditation ein offenes Annehmen von dem, was ist, wie es ist. Auf einer grundlegenden Ebene werden all diese leidhaften Muster, Geisteszustände von tiefsitzenden Überzeugungen genährt, die wir oft nicht explizit wahrnehmen. Sie gehen auf eine instinktive augenblickliche Art zurück, wie wir die Welt wahrnehmen. Wir interpretieren uns selbst wie alles andere als statisch, fix und autark. Daraus entwickeln sich erst unsere fixen Meinungen, Verhaltensweisen und Emotionen. So entsteht mein Bild von mir und von dir, was ich mag, was ich nicht mag, was ich bekommen muss, was ich loswerden muss. Die grundlegende Matrix des Lebens, die aus ständiger Bewegung und gegenseitigem Einfluss besteht, bleibt unerkannt. Als Buddha diese Matrix des Lebens erkannte, fiel sein Anhaften weg, von dem in der Zweiten Edlen Wahrheit (siehe Kap. über den buddhistischen Weg) die Rede ist. Unser Ziel in der Meditation ist, Einsicht auf all diesen Ebenen zu gewinnen. Dazu entwickeln wir ein direktes achtsames Betrachten unserer inneren Erfahrungen. Wir nehmen wahr, was wir erleben, ganz gleich, was es ist. Die Erfahrungen werden nicht verändert, verdrängt oder ausgedehnt und auch nicht bewertet. Mit anderen Worten, wir begegnen unseren Erfahrungen mit einer Haltung von bedingungsloser Liebe, die den Geist erfrischt und beruhigt. In der Praxis beginnen wir meist, die Konzentrationsfähigkeit des Geistes mit Hilfe einfacher Meditationsobjekte zu schulen, wie z.B. dem Atem oder anderen körperlichen Erfahrungen. Wir bringen das Gewahrsein immer wieder zu diesem Meditationsobjekt zurück, um die Aufmerksamkeit in der Erfahrung des gegenwärtigen Moments zu stabilisieren, die geistigen Energien zu bündeln und den Geist ruhig und klar werden zu lassen. Anschließend öffnen wir uns auch anderen körperlichen und geistigen Erfahrungen, die komplexer und schwieriger sind: angenehme wie unangenehme Empfindungen, Gefühle, Impulse, Gedanken, Vorstellungen, Bildern, usw. Wir lehnen uns quasi innerlich zurück und nehmen wahr, was in unserem Gewahrsein auftritt. Unser bloßes achtsames Wahrnehmen führt uns zu immer tieferem Verständnis über uns selbst, unsere Muster, Glaubenssätze und Reaktionsweisen. So können wir einen neuen Blick auf unser Leben werfen, Vertrautes neu erforschen, Unbekanntes entdecken. Während wir einfach Zeuge unserer Erfahrungen sind, entdecken wir, wie alles Lebendige fließt. Vertrauen wir uns dem Fließen an, lassen Widerstand und Begehren los, kehrt Frieden und Verbundenheit ein. Wir ruhen im Sein, das Bewegung, Veränderung und Verbundenheit ist. Unterschiedliche Formen von Vipassana Vipassana-Meditation wird unterschiedlich gelehrt. Die zwei Hauptrichtungen im Westen gehen auf Mahasi Sayadaw und U Ba Khin aus Burma zurück. Ich folge der Richtung von Mahasi Sayadaw, wie sie von Fred von Allmen, Joseph Goldstein und anderen Vipassanalehrern für den Westen adaptiert wurde. Eine ähnliche Praxisform findet sich in der Tradition von Ajahn Chah, die im Westen u.a. von Ajahn Sumedho und Jack Kornfield vertreten wird. Aus der U Ba Khin-Tradition ging die Goenka-Schule hervor, die eine deutlich andere Methodik anwendet. Die Metta-Meditation gehört zu den vier Brahmavihara-Meditationen. Diese dienen der Entwicklung von Herzensqualitäten, mit denen wir uns selbst und anderen begegnen wollen:
Die Entwicklung dieser Qualitäten schafft eine Atmosphäre des Friedens und der Klarheit und hilft uns, in größerer Harmonie zu leben. Metta, liebende Güte, ist die Grundlage für die anderen drei Brahmavihara. Wir üben uns darin, das Gute in uns selbst und anderen zu sehen. Dann wünschen wir uns selbst oder anderen in einer festgelegten Sequenz, dass wir/sie glücklich sind, bis alle Wesen eingeschlossen sind. Das wird uns nicht immer leicht fallen. Wir begegnen auch den Gefühlen, die unserer Liebe entgegenstehen. Dann schließen wir selbst sie geduldig mit Liebe ein. Nichts wird erzwungen. So kann sich das Herz langsam von allem Groll und Schmerz reinigen. Ähnlich verfahren wir in den anderen drei Brahmavihara. Nur unsere Ausrichtung ändert sich. In der Übung von Mitgefühl sehen wir das Leid der verschiedenen Personen und wünschen, dass sie davon frei sind. In der Entwicklung von Mitfreude sehen wir die Freude im Leben der Personen und wünschen, dass sie bleibt. Bei der Übung von verstehendem Gleichmut bringen wir Weisheit in die Praxis. Wir erinnern uns, dass alles Wünschen nichts bringt, wenn es nicht durch entsprechende Handlungen unterstützt wird. Die Vipassana-Meditation wird unterstützt von einer liebevollen Haltung, die wir brauchen, wenn wir tief in unser Wesen blicken. Viele neigen zu innerer Härte und Perfektionismus mit sich und anderen. Gerade dann ist es hilfreich, beide Formen der Meditation - Vipassana und Metta - zu üben. In der Regel binde ich die Praxis von Metta in längere Vipassanakurse ein. Sie lassen sich aber auch parallel während der Vipassanakurse intensiv üben, wodurch eine deutliche Veränderung in der inneren Haltung erzielt werden kann. |
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